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Arm

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Arm

Früher dachte ich, ich sei arm,
dann wurde mir gesagt, ich sei nicht arm, sondern bedürftig.
Dann wurde mir gesagt, es sei selbstzerstörerisch, wenn man sich für bedürftig halte, ich sei depriviert.
Dann wurde mir gesagt, depriviert habe ein schlechtes Image, ich sei unterprivilegiert.
Dann wurde mir gesagt, unterprivilegiert sei überstrapaziert, ich sei benachteiligt.
Dann hieß es, benachteiligt drücke sich um die Verantwortung, ich sei sozial schwach.
Danach erfahre ich, sozial schwach ist mega-out, ich sei prekär.
In einer Stadt hörte ich, ich habe zu wenige Teilhabechancen.
Ich muss sagen, ich habe immer noch keinen Cent in der Tasche,
aber mein Wortschatz ist enorm gewachsen.

Gefunden in:
Harry A.Passow, Miriam Goldberg und Abraham J. Tannenbaum: Education of the
Disadvantaged. New York 1967

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Emmaus in Köln ist seit mehr als 40 Jahren eine Mitgliedsorganisation von ca 10.000 Vereinen und Initiativen in Deutschland.
Der neue Armutsbericht 2026 der Parität mit dem Titel“ Wachsende Armut, schrumpfende Sicherheit“ enthält alarmierende Befunde: Die soziale Spaltung in Deutschland verschärft sich. 13,3 Millionen Menschen leben in Armut, die Armutsquote steigt auf 16,1 Prozent. Gleichzeitig wächst die Kluft zwischen Regionen und Bevölkerungsgruppen. Während Armut insgesamt zunimmt, verfestigt sie sich besonders bei Älteren, Frauen und Alleinerziehenden.
Mit einer Armutsquote von 19,5 Prozent ist inzwischen fast jede fünfte Person ab 65 Jahren betroffen, bei Frauen über 75 Jahren sind es sogar 21,3 Prozent. Alleinlebende tragen mit 30,3 Prozent ein besonders hohes Armutsrisiko, Alleinerziehende mit 28,9 Prozent. Die Folgen sind längst im Alltag angekommen: am Küchentisch, beim Einkauf, bei der Frage, ob eine vollwertige Mahlzeit noch bezahlbar ist... und der Andrang bei den Tafeln in Deutschland spricht auch für sich.
Hinter den steigenden Armutszahlen stehen konkrete Einschränkungen im Alltag: Millionen Menschen können sich unerwartete Ausgaben nicht leisten, sparen beim Heizen oder verzichten auf gesellschaftliche Teilhabe. 4,6 Millionen Menschen leben inzwischen in erheblicher materieller Entbehrung. Die Zahlen zeigen: Die soziale Spaltung verläuft nicht nur beim Einkommen, sondern zunehmend auch bei den realen Lebensbedingungen.
Auch regional driftet Deutschland sozial weiter auseinander: In Bayern ist etwa jede achte Person von Armut betroffen, in Sachsen-Anhalt bereits mehr als jede fünfte und in Bremen sogar mehr als jede vierte Person.

Wer besonders betroffen ist.
Nach wie vor , und wie schon seit Jahren,sind Alleinerziehende sowie allein lebende Personen die am stärksten von Armut betroffenen Haushaltsgruppen. Auch junge Erwachsene zwischen 18 und unter 25 Jahren sowie Menschen ab 65 Jahren sind überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen.
Darüber hinaus sind Personen mit niedrigen Bildungsabschlüssen sowie Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft überdurchschnittlich von Armut betroffen.

Auch in den höheren Altersgruppen zeigen sich deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Bei Personen ab 65 Jahren beträgt die Armutsquote von Frauen 21,3 Prozent, während sie bei Männern bei 17,3 Prozent liegt. Damit ist mehr als jede fünfte Frau im Rentenalter von Armut betroffen. In der Gruppe der Menschen ab 75 Jahren verstärkt es sich noch weiter: Frauen mit 21,3 Prozent, Männer hingegen mit 15,8 Prozent –

Die Unterschiede in der Alterssicherung von Frauen und Männern sind laut Analysen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung eng mit ungleichen Erwerbsverläufen verbunden. Geringere Erwerbseinkommen von Frauen führen direkt zu niedrigeren Rentenansprüchen, da diese in der gesetzlichen Rentenversicherung hauptsächlich lohnabhängig berechnet werden. Besonders Mütter sind benachteiligt: Zwar sollen Kindererziehungszeiten diese Nachteile ausgleichen, tatsächlich wirken sie jedoch meist nur in den ersten Jahren nach der Geburt. Mit zunehmender Kinderzahl vergrößern sich die Lücken in den Rentenansprüchen – vor allem in Westdeutschland.

Notwendig wäre eine bessere Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern, um künftige Versorgungslücken nachhaltig zu verringern. In den mittleren Altersgruppen hingegen fallen die Unterschiede geringer aus: Bei den 25- bis unter 50-Jährigen sowie den 50- bis unter 65-Jährigen liegen die Armutsquoten von Frauen und Männern nahezu auf gleichem Niveau. Bei den unter 18-Jährigen sind Jungen sogar leicht häufiger betroffen als Mädchen. Bei der Interpretation dieser Unterschiede ist zu berücksichtigen, dass Armut auf Basis von Haushaltseinkommen gemessen wird. Das bedeutet: Nicht individuelle Einkommen, sondern die finanzielle Situation des gesamten Haushalts entscheidet darüber, ob eine Person als arm gilt. In Paarhaushalten – insbesondere in heterosexuellen Partnerschaften – werden Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern da durch statistisch nivelliert, da beide gemeinsam als arm oder nicht arm gelten. Geschlechtsspezifische Unterschiede im sozioökonomischen Status treten daher vor allem dann deutlich zutage, wo Frauen allein leben oder nicht in (hetero- sexuellen) Paarhaushalten eingebunden sind. Dies ist insbesondere im höheren Alter der Fall, etwa als Witwe.
Entsprechend zeigen sich die Folgen ungleicher Bezahlung, unterbrochener Erwerbsverläufe und struktureller Benachteiligungen von Frauen besonders stark in diesen Lebensabschnitten. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass sich geschlechtsspezifische Unterschiede in der Armutsbetroffenheit statistisch insbesondere in der Phase des jungen Erwachsenenalters sowie im höheren Lebensalter manifestieren.

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Meine Lieben,
ich denke , es ist an der Zeit , ein kleines Resumée zu ziehen und euch die aktuellen Neuigkeiten mitzuteilen.
Es ist August, und wir sind mitten in den Ferien, und etliche unserer Besatzung sind in Europa unterwegs. Eine kleine Truppe von Mitarbeitenden versucht die Stellung zu halten... und die Betriebsergebnisse sind trotz Hitzewellen und Ferien recht zufriedenstellend.
Vielleicht liegt es auch daran, dass einige Sozialträger in Köln ihre Lager und Verkäufe geschlossen haben und immer mehr Menschen ihre Secondhand- Artikel bei Emmaus abgeben wollen. Das führt manchmal zu Stress, da unsere Lager-kapazitäten auch begrenzt sind. Aber es gibt auch viele neue Kundinnen , die offenbar unser Angebot zu schätzen wissen.

Meine Lieben: der eigentliche Grund dieses Rundbriefs ist allerdings ein sehr trauriger:
Zwei unserer teuren Mitarbeitenden sind verstorben:

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Katharina Clasen , gestorben Anfang Juli und im Friedwald Bergisch Gladbach beigesetzt. Etliche unserer Emmaus- Leute waren am 15. Juli mit dabei. Katharina als „Kölsche Kraat“ war wirklich jahrelang eine feste Größe im Hausrat und kam auch immer gerne zu unseren Emmaus – Festivitäten und Aktivitäten

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Wladimir Morozow: unser Mitarbeiter und Mitbewohner in unserer Gruppe seit ca 7 Jahren. Er kam zu uns als geflüchteter Russe über Emmaus Frankreich und wollte sich nie offiziell anmelden und sozialversichern lassen. Er war also wie versteckt in unserem Haus. Er hatte seit Anfang des Jahres Gliederschmerzen und im Juni hatten wir den ersten Arzttermin bei einem Orthopäden. Letztlich stellte sich allerdings heraus, dass er voll mit Metastasen war und er unheilbare Tumore hatte. Er ist im Krankenhaus Hohenlind, in der Praxis Dr. Schmitt, in der Palliativstation der Uni - Klinik, bei Emmaus und letztlich über die Stiftung PACE E BENE im Hospiz der Augustiner in Rondorf intensiv behandelt und begleitet worden und am 5. August dort auch verstorben, hatte also eine intensive Leidenszeit von ca zwei Monaten.
Er wollte keinerlei therapeutische Behandlungen mehr , außer einer sehr guten Schmerzbehandlung von guten Medizinern und Pflegekräften .

Wir vermissen beide sehr als langjährige und treue Mitarbeitende , die beide auch auf ihre Weise verstanden haben, welche Chancen und Begegnungen bei Emmaus möglich sind und für ein menschliches Miteinander auch unerlässlich sind.

Wir von Emmaus müssen uns gerade im Falle Wladimir bei so vielen Menschen bedanken, die seinen Sterbeprozess sehr menschlich und professionell begleitet haben und uns eine große Hilfe waren und sind.

Willi Does/ 11.8.2026

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Abschlusserklärung der Emmaus Weltversammlung in Someren/Niederlande von April 2026


Die Mitglieder der Emmaus-Bewegung, die mehr als 45.000 Menschen in 450 Gruppen aus 40 Ländern vertreten, haben sich in Someren in den Niederlanden zur Weltversammlung versammelt und bekräftigen nachdrücklich das langjährige Engagement im Kampf gegen die Ursachen von Armut und Ungleichheit sowie den fortwährenden Einsatz für mehr soziale und ökologische Gerechtigkeit.

Wir bauen auf unseren Erfahrung in der Arbeit mit den am stärksten gefährdeten Gemeinschaften der Welt auf , und wir nehmen unsere Rolle als privilegierte Beobachter der gegenwärtigen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Realitäten an.

Daher wollen wir folgende Erklärungen aussprechen:

Wir verurteilen das kapitalistische und produktionsorientierte System, das die Kriegswirtschaft antreibt, den Imperialismus stärkt und moderne Formen des Kolonialismus fortführt, aufs Schärfste. Dieses System lässt die begrenzten Ressourcen auf der Welt schnell abschmelzen und wird Hunderte Millionen Menschen in noch größere Armut, Unsicherheit und Zwangsmigration treiben.

Wir verurteilen jede Form systemischer wirtschaftlicher, sozialer, politischer und ökologischer Gewalt, zu noch mehr Ungerechtigkeiten führt und den Zugang zu Grundrechten behindert.

Wir betonen, alle Formen von Diskriminierung, insbesondere geschlechtsspezifischer Diskriminierung zu bekämpfen , die eine unerlässliche Voraussetzung für dauerhaften Frieden ist.

Wir fordern einen grundlegenden Wandel hin zu einer Wirtschaft, die Menschen, lokale Gegebenheiten und Ökosysteme respektiert.

Wir sind überzeugt, dass Frieden eine unabdingbare Bedingung ist , um diese Ziele zu erreichen.

Wir fordern , dass das Völkerrecht respektiert wird und internationale Organisationen, gestärkt werden , die die Zusammenarbeit und Solidarität zwischen den Völkern fördern.

Wir verurteilen aufs Schärfste , dass unschuldige Zivilisten und Kinder getötet werden so auch , dass Wohnungen, Güter und Dienstleistungen zerstört werden, die für das menschliche Leben unerlässlich sind, sowie das kulturelle und ökologische Erbe, die nach internationalem Recht Verbrechen darstellen.

Wir verurteilen jede Aneignung oder jedes Monopol von Informationen durch Staaten oder dominante Akteure, die die Meinungsfreiheit behindert, den Zugang zu unabhängigen Informationen einschränkt und demokratische Räume untergräbt.

Wir loben die jüngeren Generationen, die durch bürgerschaftliches und solidarisches Handeln transformative Veränderungen bewirken können, und unterstützen sie in ihrem Kampf.
Wir erkennen die Legitimität von Formen des Engagements an , die die Grundrechte der Natur und der Menschheit verteidigen, auch wenn sie in Form von gewaltlosem zivilen Ungehorsam erfolgen.

Angesichts dieser Herausforderungen bekräftigen wir unsere gemeinsame Entschlossenheit, zu handeln, standhaft zu bleiben und gemeinsam mit den Betroffenen praktische Alternativen zu entwickeln, die auf Solidarität, Teilen, Würde und Gerechtigkeit beruhen.

Wir solidarisieren uns mit allen Menschen weltweit, die sich gegen Krieg stellen und für Frieden, Gerechtigkeit und Würde eintreten. Wir bekräftigen außerdem unsere Solidarität mit allen Völkern, die Unterdrückung, Krieg und Völkermord erleiden, und fordern , dass das Selbstbestimmungsrecht der Völker endlich anerkannt wird

Die Emmaus-Bewegung ruft alle ihre Gruppen weltweit dazu auf, diese Erklärung konkret zu unterstützen.