Channel Apps

Archives

Categories


info@emmaus-koeln.de

TÄTIGKEITBERICHT 2025


Gemeinschaft / Personalsituation:


Bedingt durch die Tatsache , dass der Mindestlohn jährlich ansteigt ( 12, 41 € in 2024/ 12,90 € in 2025, 13,90 € in 2026) sind die Möglichkeiten begrenzt, zusätzliche Personen in die Gruppe aufzunehmen . Personalkosten total belaufen sich auf ca 30.000,- € - bei durchschnittlichen Monatseinnahmen von ca 37.000,- € .
Zur Zeit sind 13 Personen sozialversichert bei Emmaus ( incl 1 Person Café) und zwei externen Mitarbeitern , die im Sozialbetrieb an der Geestemünderstr. arbeiten.
2025 hatten wir eine Person weniger in der Lohnliste.Die Arbeitszeit wurde ab Oktober bei allen Mitarbeiten um 4 Stunden pro Wochen reduziert.

Vorstandsarbeit/ Vereinsarbeit:


Der Vorstand besteht aus 5 Personen : Thomas Funder/ Christopher Burger/ Willi Does/( geschäftsführender Vorstand .) Dazu zwei stimmberechtigte Beisitzer: Thomas Drechsler/ Johannes Does. Dazu die Verantwortlichen Pascale Lepoutre-Does und Vlad Wierzbicki ( nicht stimmberechtigt)

Der Vorstand hat sich 2025 insgesamt zu 7 Sitzungen getroffen. ( alle 6 Wochen)
Wichtige Themen, die in der Vorstandsarbeit immer wieder auftauchen:
  • Wie kann Emmaus die Räumlichkeiten gerade in der Geestemünderstr noch besser nutzen ?
  • Was heißt das : die Emmaus – Standards zu erhalten und immer wieder neu zu erklären ?
  • Wie kann sich Emmaus auch über seine Website noch besser präsentieren?

Arbeiten / Wirtschaftliches:


Der Verkauf gerade an der Geestemünderstr. und im Laden Nippes entwickelte sich im Laufe 2025 doch recht stabil

Geestemünderstr. 417.000,- € + 7% U- Steuer
Laden Nippes 20.500,- € + 7% U-Steuer

Café – Zuschuss Stadt Köln / Erlöse 44.100,-€
Mieten / einbehaltene Mieten Mitarbeitende 48.000,- €
Einnahmen Sendemast/ NetzAgentur 12.000,- €
anderes ( Zinsen/ Versicherungen 7.400,- €

Spenden 40.000,- €
außergewöhnliche Zuwendung an SatuMare
( wurde an diese Gruppe weitergeleitet) 20.000,- €
Total 609.000,- €


Einnahmen: Im Vergleich zu 2024 waren die Betriebseinnahmen fast gleich, Emmaus erhielt ca 10.000,- € an Spenden mehr

Erwähnenswert bei den Ausgaben: ca 39.000.- € wurden an externen Hilfen ausgegeben , d.h. ca 10.000,- € mehr als in 2024

Emmaus Köln hat an Emmaus International und Emmaus Europa über die angespannte Finanzlage seit Jahren berichtet, mit dem Ergebnis, dass wir nicht so leicht internationale Hilfsprojekte unterstützen können wie früher.
Ebenso hat Willi Does eine erneute Anfrage des VCDS / Indien zum ersten Mal als nicht finanzierbar erklärt.


Abholungen/ Warenabgabe:
ca 9t die Woche , wobei Emmaus möglichst im Kölner Norden Abholungen durchführen will. Seit ca drei Monaten steht Emmaus nur noch der Ford Transit für Abholungen und Lieferungen zur Verfügung, der LKW ist günstig verkauft, da er keinen keinen TÜV mehr erhalten hat.
Überlegungen zu Fahrzeugen sind noch offen und sollten in 2026 zu einem Ergebnis führen. Überlegung: Ein gebrauchter LKW mit Kasten / 3,5t , dafür Transit verkaufen. Ebenso stehen Emmaus zur Zeit 2 PKW zur Verfügung, einer sollte ebenso abgestoßen werden, sodass tatsächlich drei Fahrzeuge das Ziel sind: LKW / 3,5t, ein PKW , E- Fahrzeug OPEL.

Kleider / Materialien:
Zur Zeit müssen die überschüssigen Kleider über den Restmüll entsorgt werden. Dazu kommt, dass im Laufe des Jahres 2025 zwei größere Secondhand- Lager geschlossen haben, sodass immer mehr Kunden Kleider, Hausrat und Möbel bei Emmaus abgeben wollen. Dies führt zu Lagerproblemen und zu bedenklichen Sicherheitsrisiken ( Brandlast, Durchgänge).

  • Laden Baudriplatz Trotz einiger oftmals altersbedingten Erkrankungen ist das Laden-Team seit über 30 Jahren überaus engagiert und sehr gut eingebettet in die Soziallandschaft in Nippes. Bilder , Fahrräder und auch Musikinstrumente haben dazu geführt, dass die Einnahmen sehr stabil sind.
  • nach BGW- Begehungen zweimal in 2025 : wie immer wurden einige Mängel und Versäumnisse festgestellt, die Emmaus schwerlich in den Griff bekommt, ( anonymes
    Abstellen von problematischen Artikeln wie Reifen, Reinigungsmittel etc/ mangelnde Qualifikation der Mitarbeitenden) Asbesthaltige Dachplatten/ Neonröhren- Lagerung/
  • Brandschutz: Hinweiszeichen zu Notausgängen wurden in 2025 geändert ,
  • Feuermelder werden nach Vorschrift alle zwei Jahre gewartet.
  • Sicherheitsunterweisung wieder regelmäßig ( mindestens einmal im Jahr) >>> Thomas Funder hat Ende 2025 im Guffantihaus einen entsprechende Unterweisung an Ehrenamtliche und Mitarbeitende organisiert.
  • Dauerthema : Elektrowerkstatt, die immer zu voll ist und schwer zu begehen ist.
  • Übervolle Lager können zu einem Sicherheitsrisiko werden ( Brandlast/ Notausgänge)

Hilfstransporte/ Solidarität/ Emmaus – Beiträge:

20260129_114744.jpg

6 Hilfstransporte in 2025 mit jeweils circa 12-15 Tonnen Gebrauchtwaren (überwiegend Möbel, Hausrat, Spielzeug und Elektroartikel) nach Polen . Vor allem der Krieg in der Ukraine hat dazu geführt, dass die deutschen Emmaus Gruppen mit Materialien und bei der Beladung der LKW beteiligt waren. Die beiden Transporte zu Emmaus Lublin werden mit medizinischem Gerät, Hygieneartikel und Medikamenten für Emmaus in Lwiw beladen, die nach Ankunft in Lublin an die ukrainische Emmaus Gruppe weitergeleitet werden
1 Hilfstransport wurde von Emmaus Deutschland für die Gruppe in Iasi/ Rumänien bereitgestellt und auch von Emmaus Deutschland bezahlt

Kosten: Transportkosten ca 13.000,- €/ an Emmaus Europa : 1.800,- € / Emmaus International 5.600,- €/ 2.500.- € an VCDS in Indien

Kosten Suppenküche Appellhofplatz bleiben hoch und belaufen sich wie im letzten Jahr auf ca 6.000,- € .

Appelhofplatz-02.jpg

Der Verein „Gesundheit für Wohnungslose eV“ unterstützt im Rahmen seiner Förderung von Gesundheitsprogrammen die Suppenküche regelmäßig mit 4.000,- € / p.a.
Die Zahl der Personen, die die Suppenküche aufsuchen, ist seit der Pandemie gesunken auf ca 30-35 Personen. Das Angebot an Essen zu gelangen hat im Zentrum der Stadt zugenommen. Bisher gibt es jedoch keine Überlegungen , das Projekt einzustellen, zumal die Zusammenarbeit mit dem Verein „ Gesundheit für Wohnungslose“ schon seit 30 Jahren existiert und sich bewährt hat.
Zusätzliche Kosten sind entstanden durch die Auflösung des Vereins BfO ( Bürger für Obdachlose, die ca 30 Jahre die Montags- Suppenküche organisiert und finanziert hat. Sowohl Emmaus als auch der Verein „ Gesundheit für Wohnungslose“ werden in 2026 die Finanzierung übernehmen.

Appelhofplatz-01.jpg

Anderes:

  • Beteiligung an „Familienflohmärkten“ auf dem Gelände der Dr. Dormagen- Guffanti- Stiftung
  • unregelmäßige Treffen der deutschen Emmaus- Gruppen, meistens per Video- Konferenz. Die Einrichtung des Vereins „Emmaus Deutschland“ zieht sich seit ca einem Jahr hin. ( Amtsgericht, Finanzamt, Bank)
  • Der Nutzungsvertrag Guffantihaus ist seit April 2025 ausgelaufen. Drei Mitglieder des Emmaus Vorstandes haben sich mit der Leitung des Wohnungsamtes im Sommer getroffen und es wurde mündlich vereinbart, dass es einen neuen Nutzungsvertrag über 20 Jahren geben soll, sodass der Bestand einer Gemeinschaft gesichert zu sein scheint.
    Die Zusage der Stadt Köln und der neue Nutzungsvertrag beinhaltet auch dass wir für eine Wohnung im 2. Stock nun extra Miete zahlen müssen da sie laut der Definition der Stadtverwaltung eher privat genutzt wird. Der Verein hat auch in Zuge dessen die Wohnung im kleinen Häuschen (Vlads ehemalige Wohnung) gekündigt. In einer noch ausstehenden Sitzungen des neu gewählten Stadtrats wird es in 2026 dann hoffentlich zu einer positiven Annahme des von der Stadtverwaltung vorgelegten Nutzungsvertrag von Seiten der Stadt Köln kommen.
  • ein Raum in 2. Etage Bürohaus wurde von Willi Does als kleiner Sport/ Gymnastikraum eingerichtet und kann zweimal pro Woche für kleine sportliche Aktivitäten genutzt werden.
  • ein früherer „ Seminarraum“ über Möbellager ist geräumt und bedarf der Renovierung und einer Entscheidung, wie dieser schöne und große Raum genutzt werden kann. Zur Zeit werden dort Materialien für die ukrainische Emmaus Gruppe eingelagert.
  • Am 12. September hat Emmaus seinen ersten so genannten Nachtflohmarkt mit viel Engagement und Spaß durchgeführt. Dies sollte ggf zweimal jährlich veranstaltet werden.
  • Am 13. Dezember fand auf Anregung von Christopher Burger während des Verkaufs ein Upcycling Workshop bzw. eine „Nähveranstaltung“ statt mit ca 5 Teilnehmerinnen, die innerhalb von drei Stunden eine Freizeithose aus Altstoffen nähen lernten und einen kleinen Beitrag zu „ Upcycling“ leisten wollten. Auch dies würde sich lohnen zu wiederholen.
  • auch in 2025 wurde für alle Mitarbeitenden ein Weihnachtsgeld von 200,- € ausgezahlt

Ausblick/ Perspektiven/ Probleme:


  • Investitionen: An den Verkaufshallen an der Geestemünderstr. wurden vor zwei Jahren die ersten Verschönerungsarbeiten begonnen ( Verputzarbeiten/ Anstrich der Außenfassade). Diese müssen weitergeführt werden, um die Attraktivität des Standorts zu erhalten und zu verbessern
  • Es ist und bleibt in den nächsten Jahren unsere Aufgabe, über den Erhalt, den Wert und die Perspektive einer Emmaus Gemeinschaft nachzudenken und zu vielleicht wichtigen Entscheidungen und Veränderungen zu gelangen.
  • Seit Jahren hat Emmaus mehr Ausgaben als Einnahmen und dies muss uns einige Sorge bereiten. Durch die Reduzierung der Arbeitszeit (von allen Mitarbeitern) und somit auch der Löhne konnten wir ca. 3000 € monatlich "einsparen" und so 2025 erstmals seit einigen Jahren wieder ein kleines positives Betriebsergebnis erzielen. Es bleibt die Frage, wie eine dauerhafte Sicherung von Selbsthilfe zu erreichen ist.

...................................................

Verehrte Freundinnen und Freunde von Emmaus,

zum Schluss des Tätigkeitsberichts ein paar persönliche Worte. Seit 1991 bin ich nun der Vorsitzende unseres Vereins, und meistens hat mich das immer mit Stolz und Zuversicht erfüllt, auch zu wissen, mich am richtigen Ort und an der richtigen Stelle ein wenig für eine bessere Zeit engagieren zu können.
Und ich wusste immer, dass Emmaus Köln nur im Engagement von vielen entstehen kann, wenn wir uns für die Schwächsten und Ausgepowerten unserer Zeit einsetzen. Deshalb an dieser Stelle ein großes Dankeschön an die vielen Compagnons und die unzähligen Ehrenamtlichen, die Emmaus in Köln seit fast 70 Jahren möglich gemacht haben.
Mir war immer klar, dass wir als aktuell hier und jetzt Aktiven auch nur „Seiteneinsteiger“ sind, denn so viele Menschen haben sich vor uns für die Sache der Schwächsten in unserer Gesellschaft eingesetzt. Und daraus erwächst für uns eine besondere Verantwortung, im Sinne unserer Satzung und im Sinne des Spirits von Emmaus International und Emmaus Europa weiter zu machen und in unseren Aktivitäten nicht nachzulassen.

Die letzten Jahre sind für uns alle in unseren Gesellschaften recht schwierig und wir erkennen immer mehr Ungerechtigkeiten, Gewalttätigkeiten … und zwar fast immer an den Schwächsten in unserer Umgebung.

pace.jpg

Erlaubt mir , euch zum Schluss das Vorwort aus einem Buch von Erich Maria Remarque mitzugeben, es ist aus

„ Der schwarze Obelisk“ von 1956


„ Scheltet nicht, wenn ich einmal von den alten Zeiten rede. Die Welt liegt wieder im fahlen Licht der Apokalypse, der Geruch des Blutes und der Staub der letzten Zerstörung sind noch nicht verflogen, und schon arbeiten Laboratorien und Fabriken aufs Neue mit Hochdruck daran, den Frieden zu erhalten durch die Erfindung von Waffen, mit denen man den ganzen Erdball sprengen kann.--
Den Frieden der Welt! Nie ist mehr darüber geredet und nie weniger dafür getan worden als in unserer Zeit, nie hat es mehr falsche Propheten gegeben, nie mehr Lügen, nie mehr Tod, nie mehr Zerstörung und nie mehr Tränen als in unserem Jahrhundert, dem des Fortschritts, der Zivilisation, der Massenkultur …. und des Massenmordes.
Darum scheltet nicht, wenn ich einmal zurückgehe zu den sagenhaften Jahren , als die Hoffnung noch wie eine Flagge über uns wehte und wir an so verdächtige Dinge glaubten wie
Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Toleranz-
und auch daran, dass Weltkriege genug Belehrung sein müsse für eine Genration.“


Mit Zuversicht und guter Laune … trotz alledem

Willi Does im Februar 2026

Emmaus und die sexuellen Übergriffe des Abbé Pierre

Die Drehbuchautorin Alice Géraud und der Regisseur Benoît Bringe werden in den kommenden drei Jahren ein Dokumentarfilmserienprojekt zu den sexuellen Übergriffen von Abbé Pierre für HBO Max und France TV erstellen. Emmaus International, Emmaus Frankreich und die Stiftung für Wohnen haben beschlossen das Filmprojekt tatkräftig zu unterstützen.

Hier das Exposé zu der Dokumentarfilmserie:

Die Enthüllungen um Abbé Pierre haben in den letzten Monaten eine intensive Medienberichterstattung erfahren und zu zahlreichen Zeugenaussagen, Untersuchungen, Interviews und neuen Erkenntnissen geführt. Seit die Anschuldigungen im Juli 2024 öffentlich wurden und in ganz Frankreich für Aufsehen sorgten, ist der Skandal zum Gesprächsthema an französischen Esstischen geworden und löst Schock, Skepsis, Wut und mitunter hitzige Debatten aus.

Die Umstände dieses Falls sind einzigartig. Die Hauptfigur war der moralische Kompass einer ganzen Nation, die jüngsten Enthüllungen und die von der Bewegung, die er selbst gegründet hatte, eingeleiteten Ermittlungen – all diese Elemente machen diese Krise einzigartig. Diese Ereignisse verdienen daher eine präzise, ​​gründliche und vor allem neue Betrachtungsweise.
Wir möchten eine Dokumentarserie produzieren, die über die bloßen Fakten des Skandals hinausgeht und all seine Dimensionen und Folgen analysiert. Sie wird sich sowohl mit der Gegenwart als auch mit der Zukunft auseinandersetzen. Sie wird nicht nur die Fakten über Abbé Pierre und seine Verbrechen schildern, sondern uns auch dazu einladen, uns gemeinsam zu fragen, wie wir die Zukunft verändern können: Was können wir aus dem Geschehenen lernen? Wie können wir uns erholen? Wie können die Opfer das Erlittene verarbeiten? Welche Verantwortung trägt jeder Einzelne von uns? Und schließlich: Wie können wir ein neues Kapitel in der Geschichte von Emmaus und der gemeinnützigen Organisationen im Allgemeinen schreiben?

Diese Dokumentarserie, die eine nüchterne, herausfordernde und zutiefst menschliche Wirkung entfalten wird, ist Teil eines gemeinsamen, ethischen Aufarbeitungsprozesses. Sie entsteht nicht im Gegensatz zu, sondern gemeinsam mit den Menschen, die jahrzehntelang dazu beigetragen haben, die Ideale von Emmaus zu verwirklichen.

Die Geschichte von Emmaus ist eine Geschichte der Utopie, einer funktionierenden Utopie. Aus einem kühnen Plan, der Ausgeschlossene, Nutzlose und von der Gesellschaft Verbannte zusammenbrachte, entstand ein Vorbild – ein Gigant unter den sozialen Organisationen des Dritten Sektors in Frankreich und international. Wir wissen um die verheerenden Folgen, die eine Krise wie diese für eine solche Bewegung haben kann: ein geschwächtes Berufungsgefühl, schwindendes öffentliches Vertrauen, weniger Spenden, erneutes Leid für die Opfer und die Infragestellung jahrzehntelanger Arbeit engagierter Frauen und Männer. Wir halten es in dieser Zeit für entscheidend, nicht nur die Fakten darzulegen, sondern auch zu zeigen, wie die Institutionen sich mit ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzen. Es ist eine Geschichte von Verantwortung und Wahrheit, aber auch von Menschlichkeit.

Der Schwerpunkt der Reihe liegt darauf, wie Emmaus und die angeschlossenen Organisationen die Krise intern bewältigten, indem sie einen Ansatz wählten, der sich radikal von der üblichen Vorgehensweise im Umgang mit Fällen von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt unterschied. Als wichtigen Teil dieser Selbstreflexion möchten wir die Wege der Betroffenen nachzeichnen – vom ersten Schock der Enthüllungen über ihre ersten Gedanken bis hin zu ihren Dilemmata und möglichen Erkenntnissen. Ziel dieses Projekts ist es nicht, jemanden zu verurteilen oder zu diskreditieren, sondern vielmehr zu untersuchen, warum Menschen schwiegen und wie bestimmte Wahrheiten verborgen bleiben konnten, und Fragen nach den kulturellen und institutionellen Mechanismen aufzuwerfen, die diese Situation ermöglichten.
Fragen wie:
Was hätte ich an seiner Stelle getan? Was soll jetzt mit Abbé Plerre geschehen? Was ist mit ihm als Person, seinem Vermächtnis? Sollten wir ihn gänzlich aus unserem kollektiven Gedächtnis tilgen? Sollten wir ihn nur mit seinen Verbrechen in Verbindung bringen und riskieren, die Geschichte von Emmaus auszulöschen?

Auch andere Sprecher kommen zu Wort: Die Opfer erhalten selbstverständlich die ihnen zustehende Gelegenheit, sich zu äußern, und sind ein integraler Bestandteil unserer Geschichte. Wir werden außerdem Mitglieder der katholischen Kirche, Regierungsvertreter und weitere Personen interviewen.

Ziel dieser Dokumentarfilmreihe ist es nicht, vergangene Vergehen im Lichte unserer modernen, durch die #MeToo-Bewegung von 2017 geprägten Perspektive neu zu beleuchten. Vielmehr möchte sie die Art und Weise hinterfragen, wie diese Themen in der Vergangenheit diskutiert wurden. Insbesondere möchten wir die Traditionen und Gebräuche einer bestimmten Zeit beleuchten, ihren Sprachgebrauch und ihre Sicht auf die Opfer und sexuelle Gewalt untersuchen.
Wir sind überzeugt, dass die Einbindung von vielen in dieses Projekt, auch in die Vorbereitungen, in vielerlei Hinsicht von Vorteil sein wird. Zum einen ermöglicht sie uns, die Geschichte der Krise der Bewegung aus männlicher und weiblicher Perspektive zu erzählen. Zum anderen hilft sie uns, die gegensätzliche Sichtweise zu überwinden, die den Diskurs über die Enthüllungen weiterhin dominiert: Emmaus auf der einen Seite und die Opfer von Abbé Pierre auf der anderen.

Unser tiefster Wunsch ist es, diese Dokumentation zu einem Gegenstand gesellschaftlicher Debatten zu machen und an einem gemeinsamen Prozess der Selbstreflexion teilzunehmen, von dem letztendlich niemand ausgenommen ist.

Kurz gesagt: Wir wollen diese Krise zum Beginn einer neuen Ära für uns alle machen.


lesen Sie auch:

#^ Erklärung deutscher Emmausgruppen Thema: aktuelle Vorwürfe zu sexuellen Übergriffen durch Abbé Pierre
https://emmaus-koeln.de/articles/info/dbdfd654-83ec-4c29-a910-5d7fa280527e

info@emmaus-koeln.de
bfoev-logo.png

Zur Situation von BfO ( Basislager) // #^ https://bfoev.de/

Im Jahr 1990 begann die Emmaus Gemeinschaft in Köln ihre Aktivitäten in der Obdachlosenszene in Köln , in dem sie Essen und warme Kleidung an Bedürftige am #Appellhofplatz in Dom- Nähe verteilte. Einige politische Aktionen von Emmaus und eine entsprechende engagierte Berichterstattung in der lokalen Presse führten dazu, dass sich Bürger für Obdachlose engagieren wollten. So entstand in unseren Räumen der Verein „Bürger für Obdachlose“ mit damals mehr als 40 Vereinsmitgliedern. Die Betreuung und Begleitung von Wohnungslosen in angemieteten Häusern und später auch ein Secondhand- Verkaufslager: das waren die Aushängeschilder des sehr aktiven Vereins.
Gemeinsam mit #BfO / Basislager und #Emmaus haben wir über die Jahre an diesen beiden Identitäten festgehalten: #Wiederverwertung und #Recycling von #Gebrauchtartikeln als eine Antwort auf unsere immer absurdere #Wegwerfmentalität und die Zuwendung und Begleitung von den Schwächsten in unserer Gesellschaft ( #Wohnungslose, #Drogenkranke, #Haftentlassene) oder wie bei Emmaus sagen: „Menschen mit Lebensunfällen“.

Es ist seit Jahren sehr schwierig geworden, diese beiden Identitäten unserer Arbeit und unseres Selbstverständnisses zu betreiben und zu leben. Wer als Verein keinen großen karitativen Träger im Rücken hat, läuft aktuell sehr schnell Gefahr aufgeben zu müssen oder von den Bedingungen unserer kapitalistischen Wirtschaftssweise in die Knie zu gehen.
Auch die administrativen Auflagen bzgl. Versicherungen, Berufsgenossenschaften und Finanz/ Steuer/ Bankgeschäften zeigen oft den ehrenamtlichen Vorstandskollegen die Grenzen auf, und führen wie im falle Basislager BfO zur Aufgabe der #Vorstandsarbeit.
Unsere Stadt- Gesellschaft muss sich letztlich fragen , ob sie bereit ist, solche Vereine wie BfO zu erhalten, letztlich um Menschen am Rande eine echte Chance zur Selbstverwirklichung zu geben durch gemeinsame und sinnvolle Arbeit.

Willi Does / Vorsitzender Emmaus Gemeinschaft in Köln eV

info@emmaus-koeln.de
05.07.2025 Emmaus Köln organisiert Hilfstransporte nach Polen und die Ukraine
"Viele Kinder sind traumatisiert"

Ende August startet bei Emmaus in Köln ein 18-Tonner mit Hilfsgütern für die Ukraine. Über Polen gelangt die Lieferung bis nach Lviv. Warum die Not dort seit dem Krieg deutlich gewachsen ist, erklärt Willi Does von Emmaus Deutschland.
Autor/in: Uta Vorbrodt


Image/photo

DOMRADIO.DE: Ende August startet vom Gelände der Emmaus-Gemeinschaft in Köln ein 18-Tonner. Ein Lkw voll mit Hilfsgütern, die Sie ab sofort sammeln. Wohin geht die Lieferung?

Willi Does (Vorstand von Emmaus Deutschland und Emmaus Köln): Dieser Lkw kommt aus Polen, wird hier beladen und fährt dann ins polnische Lublin zu Emmaus. Diese Gruppe kennen wir schon seit über 30 Jahren. Zwischen Emmaus Köln und Emmaus Lublin gibt es eine enge Kooperation.

DOMRADIO.DE: Das heißt, es ist eine Hilfslieferung für Polen?

Does: Vorrangig ist das eine Hilfslieferung für Emmaus in Lublin. Die organisieren Secondhand-Verkäufe, machen Behindertenarbeit – Sie haben viel Erfahrung, gerade in der Betreuung von Menschen mit Behinderung. Parallel dazu besteht ein intensiver Kontakt zu Emmaus in Lviv, also in Lemberg in der Ukraine. Diese Gemeinschaft dort gibt es seit etwa 25 Jahren.

Willi Does:

"Die Gruppe dort bringt die benötigten Waren im kleinen Grenzverkehr weiter nach Lviv."


DOMRADIO.DE: Lviv ist spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine vor drei Jahren ein bekannter Name. Nun soll auch eine Emmaus-Hilfslieferung in die Ukraine gehen. Ist das die erste ihrer Art?

Does: Nein, wir kennen die Gruppe in Lviv schon über 20 Jahre. Früher konnten wir auch direkt dorthin liefern. Das war irgendwann nicht mehr möglich. Deshalb läuft es jetzt über Lublin. Die Gruppe dort bringt die benötigten Waren im kleinen Grenzverkehr weiter nach Lviv.

DOMRADIO.DE: Was hat sich seit dem Beginn des Krieges verändert? Was brauchen die Menschen in Lviv?

Does: Vielleicht vorweg: Lviv ist eine wunderschöne Stadt, die ich sehr gerne besucht habe. Sie hatte früher zwischen 800.000 und einer Million Einwohner – etwa so viele wie Köln. Seit Beginn des Krieges ist die Bevölkerung auf etwa 1,8 bis 1,9 Millionen gewachsen. Die meisten kommen aus dem Osten der Ukraine.

Willi Does:

"Man braucht gezielt Decken, Medikamente, Verbandsmaterial – um Erkältungen, Verbrennungen und Verletzungen behandeln zu können."


Lviv hat ein massives Problem mit Binnengeflüchteten. Die Emmaus-Gruppe in Lviv, die früher 12 bis 15 ehemals obdachlose Menschen aufgenommen hat, betreut inzwischen über 30. Dazu kommt, dass sie eine größere Lokalität gefunden haben, wo sie ein sogenanntes 'Social Center' für Geflüchtete und Obdachlose eingerichtet haben. Da wird kein Unterschied gemacht. Man muss keinen Ausweis vorlegen. Wer arm ist, ist arm – egal ob jemand aus dem Osten der Ukraine kommt oder schon länger obdachlos ist.

DOMRADIO.DE: Was wird konkret gebraucht?

Does: Man braucht gezielt Decken, Medikamente, Verbandsmaterial, um Erkältungen, Verbrennungen und Verletzungen behandeln zu können. Außerdem wird dort Kinderbetreuung gemacht, weil viele Kinder traumatisiert sind. Deshalb packen wir auch Malstifte, Malblöcke, Ausmalbücher und Spielzeug ein. Also Dinge, die ukrainische Kinder wirklich benutzen können.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Quelle: #^ https://www.domradio.de/artikel/emmaus-koeln-organisiert-hilfstransporte-nach-polen-und-die-ukraine

Image/photo

info@emmaus-koeln.de
04.06.2025


zweite.chance.moebel

Begleite uns auf einen kleinen Rundgang durch Emmaus!
Entdecke, welche Schätze dich erwarten – und lass dich für unser kommendes Event inspirieren.
Von Möbeln über Bücher, Werkzeuge, Geschirr, Fahrräder und vieles mehr – hier ist für alle etwas dabei. 💛
Lasst uns gemeinsam umdenken und Secondhand feiern!

Come with us on a little journey through Emmaus!
Discover what treasures you might find and get inspired for the upcoming event.
From furniture to books, tools, dishes, bikes and more — there’s something for everyone. 💛
Let’s rethink what we throw away and celebrate second-hand!

info@emmaus-koeln.de
kleider.png

Meist ist es das Streben nach Anerkennung und Selbstverwirklichung, dass das Bedürfnis vieler Menschen im Hinblick auf den Modekonsum stillt. Hersteller und Herstellerinnen verlocken ihre Kunden und Kundinnen bewusst durch einen unschlagbaren niedrigen Preis dazu, immer mehr Kleidung zu kaufen, als sie wirklich benötigen. Mit Sicherheit hat sich jeder und jede schon einmal gedacht, eindeutig zu viel Kleidung im Kleiderschrank zu haben. Sich für ein vergleichsweise billigeres Angebot entscheiden zu können, anstatt ein teures Kleidungsstück zu kaufen, gibt uns die Möglichkeit, noch mehr Kleidung besitzen zu können. Kein Wunder also, dass dabei Freude aufkommt und der gesteigerte Konsum weiter gefördert wird.

Wie viel Kleidung wird jährlich produziert?

In der heutigen Zeit arbeiten in der Modeindustrie weltweit rund 60 Millionen Menschen, pro Jahr werden somit ca. 80 Milliarden Kleidungsstücke produziert. 90 Prozent davon stammen aus Ländern wie China, Türkei oder Bangladesch. Laut Statista kauft heute bereits jede und jeder Deutsche sechzig neue Kleidungsstücke pro Jahr, also mehr als einen Artikel pro Woche. Und damit nicht genug: die Tendenz der Massenproduktion von Kleidung sowie der Konsum steigen weiterhin.

Massenproduktion Kleidung: So sehen die ökologischen Folgen aus

Der Trend von heute ist der Müll von morgen – Als Folge des Fashion-Booms landen mehr als eine Million Tonnen Altkleider jährlich auf der Müllhalde oder in Altkleidercontainern. Neben der unglaublichen Müllverschmutzung, die die Massenproduktion von Kleidung hervorruft, gibt es weitere gravierende ökologische Folgen. Wie ist die Massenproduktion von Kleidung eigentlich entstanden? Die Modebranche arbeitet unter ständigem Zeitdruck: Kollektionen kommen in immer kürzeren Abständen und größeren Volumen bei zugleich meist mangelnder Qualität auf den Markt, sodass diese schneller ausgetauscht werden müssen. Dies war früher anders: Für die breite Bevölkerungsschicht gab es keine modische Kleidung, diese konnte sich größtenteils nämlich nur die Oberschicht leisten. Der internationale Import und Export machte es Mitte des 19. Jahrhunderts möglich, Kleidung in Massen zu produzieren und zu verkaufen. Hinzu kam, dass die Nachfrage nach moderner Kleidung immer mehr anwuchs und die Jugend immer mehr neue Kleidungsstücke kaufen wollte, welche sich von der älteren Generation deutlich abhebt. Bezahlbar musste sie dennoch sein, weshalb sich Modelabels damals an verschiedenen Strategien bedienten, um dies zu ermöglichen. Über die Zeit stieg die Nachfrage an und es wurden immer mehr Kleidungsstücke gekauft, was letztendlich zu der heutigen Situation geführt hat. Günstige Mode hat ihren Preis – Nicht nur in Sachen Menschenrechte, sondern auch aus Sicht des Klimaschutzes.

Skandal in der Textilindustrie

Fast dreiviertel aller Textilien, die in die EU importiert werden, kommen aus Fernost. In den vergangenen Jahren kamen immer mehr Skandale und Berichte in Bezug auf die Massenproduktion von Kleidung in Entwicklungsländern ans Licht. Der Einsturz des neunstöckigen Rana-Plaza-Gebäudes in Bangladesch, in dem fünf Textilfabriken untergebracht waren, gilt bis heute als schlimmster Industrieunfall des Landes. Bei diesem Unfall am 24. April 2013 kamen in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka 1136 Arbeiter und Arbeiterinnen ums Leben, 2438 wurden verletzt, verstümmelt und traumatisiert. Laut des bangladeschischen Innenministers waren drei der bis zu diesem Zeitpunkt acht Etagen illegal eingerichtet worden, eine neunte befand sich im Bau. Obwohl die Arbeiter und Arbeiterinnen Wochen zuvor bereits starke Risse in den Wänden meldeten, wurden sie angewiesen, ihre Arbeit weiterzuführen. Als das Gebäude schlussendlich am 24. April 2013 einstürzte, war jede Hilfe zu spät. Tragödien wie diese verdeutlichen die Folgen der Massenproduktion von Kleidung erneut deutlich. Und eins steht auf jeden Fall fest – Dieses schlimme Ereignis ist und bleibt leider kein Einzelfall.

Gegen Massenproduktion von Kleidung

Im Grunde genommen ist die einzige Lösung gegen die Massenproduktion von Kleidung: Weniger ist mehr. Im ersten Schritt sollte man sich also über unseren Kaufkonsum bewusst werden und somit realisieren, wie viele Kleidungsstücke wir wirklich brauchen.
  • Gemeinsam einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gehen und den unnötigen Kauf von Kleidung reduzieren.
  • Wenn etwas Neues, dann zu Fair Fashion greifen oder Secondhand-Kleidung z.B. bei Emmaus.

kleider2.png

info@emmaus-koeln.de
Kleidung3.png

Rund eine Million Tonnen alte Kleidung und Schuhe bringen die Deutschen jährlich zu einem Altkleider-Container. Vieles davon landet als Secondhand-Kleidung im Ausland, manches verwerten Unternehmen zu Putzlappen oder Dämmmaterial. Diesem System des Alttextilrecyclings droht aktuell der Kollaps. Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) hat vor einer „historischen Krise der Alttextilbranche“ gewarnt. Ohne Maßnahmen drohe ein Zusammenbruch der Sammlung und Verwertung von alten Textilien und Schuhen. Gründe seien explodierende Kosten, etwa durch neue Mautgebühren. Die steigende Menge an Fast-Fashion aus minderwertiger Qualität und der weggebrochene Absatzmarkt in Osteuropa aufgrund des Ukraine-Kriegs „verschärfen die Situation“. Eine neue Vorgabe der EU könnte dafür sorgen, dass die angespannte Lage eskaliert. Jeden Tag werden in Deutschland Altkleidercontainer zerstört, als Sperrmüllablagestelle oder als Restmülltonne missbraucht. In vielen Regionen kommen die Organisationen nicht mehr damit hinterher, ihre Altkleidercontainer zu leeren. Die Überfüllung führe dazu, dass Altkleider einfach vor den Containern abgelegt und diese dort beschmutzt oder durchnässt werden. Es ist ein Teufelskreis. Und in der Alttextilbranche kann keine verschmutzte Kleidung verwendet werden.Jedes Kleidungsstück wird händisch betrachtet – alles, was nass, feucht oder verschmutzt ist, ist nicht für die Weiterverwendung geeignet. Es kann nicht mal mehr zu einem Putzlappen oder zu Dämmmaterial recycelt werden. Seit Oktober 2024 ist bei Emmaus in Köln das jahrelang bewährte System von nachhaltiger Bearbeitung und Wiederverwertung von Altkleidern zusammengebrochen. Langjährige Partner, die überschüssige Kleidung bei Emmaus abgeholt haben, haben diese Abholungen eingestellt oder sind vom Markt verschwunden, sodass Emmaus fast gezwungen ist, Altkleider im Restmüll zu entsorgen, d.h. im Klartext der „thermischen Verwertung“ zu übergeben.

info@emmaus-koeln.de
Wie schaffen es die Menschen in der Ukraine, geistig und körperlich durchzuhalten, wenn nächtliche Luftangriffswarnungen ertönen? Wie können sie ihr Leben weiterleben, wenn ein geliebter Mensch an der Front ist? Wie können sie die Hoffnung bewahren, wenn die Friedensverhandlungen die Ukraine nicht als wichtigen Akteur betrachten?

Und nun zu Oselya / Emmaus in Lwiw :


Wie gelingt es ihnen, die Mitglieder der Gruppe angemessen unterzubringen und zu unterstützen? Wie geht Emmaus Lwiw auf die Bedürfnisse schutzbedürftiger Menschen ein, die die Hauptlast des Krieges tragen? Woher nehmen sie die Kraft und die Ressourcen, die sie brauchen, um die Situation zu verbessern?

1.jpg

All diese Fragen wurden während des Treffens von Emmaus Europa diskutiert, an dem rund 60 Menschen aus rund zehn europäischen Ländern teilnahmen. Natalia und Konstantyn, Gefährten von Emmaus Oselya, erzählten ihre Geschichte des Exils, der Trennung von ihrem Land und ihren familiären Bindungen – genau wie sechs Millionen Ukrainer seit 2022. Sie würdigten gleichzeitig die gegenseitige Unterstützung und Solidarität, die sie in Emmaus/Oselya erfahren haben. Natalia Sanotska, die Direktorin von Oselya und unermüdliche Projektleiterin, wenn es darum geht, die langfristige Zukunft der Aktivitäten der Gemeinschaft zu sichern, erinnerte Emmaus Europa daran, dass die Ukraine von der Orangen Revolution 2004 bis zur Maidan-Revolution 2014 stets ein friedliches Land gewesen sei. Bis zum Vorabend des Konflikts glaubte die ukrainische Gesellschaft an den Frieden. Heute „bringt Putin uns um, und die einzige Lösung, die wir sehen, ist, zu den Waffen zu greifen und Widerstand zu leisten.“ Widerstand ist genau das, was die Gemeinschaft seit vielen Jahren leistet.

Was kann Emmaus/Oselya in Lwiw konkret leisten?

  • Die Zahl der Bewohner der Gemeinschaft hat sich zwischen 2020 und 2023 aufgrund des Krieges und der COVID-Pandemie mehr als verdoppelt – von 15 auf 36.
  • Emmaus Oselya verteilt seit 2020 monatlich Lebensmittel an 400 Menschen
  • Von September 2022 bis Januar 2023, während der heftigsten Bombardierungen des Gebiets um Lwiw, baute und eröffnete die Gruppe eine Unterkunft „für Menschen, die ihr Zuhause verloren haben“ (mit Mitteln des Emmaus Ukraine Fund). Die Unterkunft unterstützt täglich über 100 Obdachlose, die vor allem deshalb obdachlos sind, weil sie aus den Kriegsgebieten fliehen mussten.
  • Seit Beginn des Konflikts bietet die Gruppe Workshops für kriegstraumatisierte Kinder und Erwachsene an. Mit Mitteln von Emmaus Europe und der Fondation pour le Logemens des Défavorisés (ehemals Foundation Abbé Pierre) konnte die Gruppe 2024 die Anzahl der Unterkünfte in ihrer Gemeinschaft erhöhen und den Begleitern bessere Lebensbedingungen bieten.
  • Die Gruppe renovierte 2024/25 ihre Läden und ihre Möbelwerkstatt, um das Know-how der Mitarbeitenden besser zu präsentieren und ihre finanzielle Unabhängigkeit zu stärken.
  • 2025 renovierte die Gruppe eine Sozialwohnung für elf Personen, um ihre Unterkunft zu verbessern.

Die Gruppe schafft all dies täglich dank der Stärke ihrer motivierten Mitglieder und ihrer Hoffnung auf eine bessere Zukunft sowie dank der Unterstützung der europäischen Emmaus-Gruppen. Ein großes Dankeschön an alle, die an dem Treffen teilgenommen und den Geschichten des Exils zugehört haben, sowie an alle, die die Solidarität in der Emmaus-Bewegung lebendig werden lassen.photo_2024-10-14_18-39-45.jpg

info@emmaus-koeln.de
Liebe Freundinnen und Freunde ,

die sich ehrenamtlich und nachhaltig für unser Gemeinwesen einsetzten.

Die Weihnachtszeit möchte ich gerne nutzen, um Euch allen für Eure Arbeit und Euer Engagement zu danken.

Auch wenn wir manchmal nicht wissen, wie es in unseren Gesellschaften, in Europa und auf der Welt weitergehen kann, angesichts von Kriegen, Klimakatastrophen, von über 100 Millionen Menschen auf der Flucht, sollen und dürfen wir unsere Zuversicht und Hoffnung nicht verlieren.

Und dies gerade vor dem Hintergrund der Ereignisse der letzten Wochen.

Da werden wir an einem Mittwoch Morgen mit Trump als neuem Präsidenten der USA wach , von dem alle wissen, dass er ein Krimineller, ein Sexist und Rassist ist, aber er wird mit großer Mehrheit gewählt.

Und wir ahnen, dass Argumente, Besonnenheit und Sachdebatten nicht mehr in Mode zu sein scheinen, gewinnen die Schreihälse der Welt statt dessen immer mehr Oberwasser mit ihren Lügen und Fake-News?

Und abends am gleichen Tag zerlegt sich ein Modell in Deutschland, welches es auch vorher in der 75-jährigen Geschichte der BRD noch nicht gab: eine Dreier-Ampel mit Parteien, von denen wir alle wussten, dass sie eigentlich nicht zusammen passten, es aber trotzdem drei Jahre versucht haben.

Aber spielen wir nicht gerade wirklich mit unseren demokratischen Errungenschaften?

  • Schielen wir nicht manchmal nicht gerne zu den einfachen Lösungen, die uns gewisse Leute und Parteien vorspielen?
  • Suchen wir nicht auch „einen starken Leader“, der uns aus dem Desaster führen soll. Aber das alles hatten wir doch schon mal.
  • Und was passiert, wenn die letzten Koalitionen in unserem Land nur als Zwangsgemeinschaften wahrgenommen werden, die eher verwalten und nicht mehr gestalten und nicht mehr inspirieren.

Und dann kommen eben die Trumps dieser Welt mit ihrem marktschreierischen Getöse und führen ihre Schäfchen aus der Verunsicherung in den großen Rückschritt der Unmündigkeit und letztlich Unfreiheit.

Was wir brauchen:

Die Zuversicht, dass manchmal der Ausgang unserer Bemühungen offen ist, dass unser gemeinsames Haus niemals fertig wird und wir die Zukunft denken sollen.

Nie wird das Haus ein für alle Mal zu Ende gebaut sein, immer wieder müssen wir experimentieren, wie eine faire Gesellschaft von so verschiedenen Menschen aussehen kann.

Und die eigene Trägheit und Feigheit sind die Quellen für unsere verschuldete Unmündigkeit. Ein „ mündiger Bürger“ nach Willy Brandt zu sein, ist anstrengend.

Trägheit und Feigheit sind Ausdruck , dass wir uns für die persönliche Bequemlichkeit entschieden haben. Wer sich im Politischen für die Trägheit entscheidet, verzichtet darauf, an dem Anteil zu nehmen, was die POLIS „ die Stadt angeht“ so der Wortsinn aus dem Griechischen.

Was wir brauchen:

Orte der Begegnung . Wer Polarisierungen etwas entgegensetzen will, muss Orte schaffen, an denen etwas auszutragen ist, wo etwas passiert.Von Angesicht zu Angesicht. Gegen die Trägheit und Feigheit, die sich nur noch ins Digitale traut und sich da austoben will.

Es kann nicht so sein und sich dahin entwickeln, dass unsere Gesellschaft längst zerklüftet ist in viele soziale Welten, und die einander kaum noch Kontakt haben, kaum noch voneinander Notiz nehmen.

Was wir brauchen:

die Überwindung der Denkweise, sich nur noch als Opfer der Verhältnisse zu sehen.

Wir brauchen gute Orte für intakte Strukturen von täglich gelebter Solidarität, von aktiver Verwandlung des Hässlichen ins Ansehnliche.

Und genau das kann und sollte auch unsere Realität zum Beispiel bei Emmaus sein, in unserem Gemeinschaftshaus , in unseren Sozialen Zweckbetrieben,... denn als das werden wir von Emmaus in Köln bei Behörden geführt, und ich hoffe und glaube zu Recht.

Nochmals vielen Dank für Eure Arbeit, denn ohne Ehrenamtliche in Köln gäbe es nicht diese Stadtgesellschaft.

Auf noch weitere Jahre... gemeinsam für Demokratie, Gerechtigkeit und Frieden

Willi Does