{"type":"rich","html":"<div style=\"width: 640; height: 426; font-family: sans-serif,arial,freesans;\" ><div id=\"shared_container_1473510089\" class=\"shared_container\"><div id=\"shared_header_1473510089\" class=\"shared_header\"><a href=\"https:\/\/emmaus-koeln.de\/channel\/info\"><img src=\"https:\/\/emmaus-koeln.de\/photo\/profile\/s\/4\" alt=\"Emmaus K\u00f6ln\" height=\"32\" width=\"32\" loading=\"lazy\" \/><\/a><span><a href=\"https:\/\/emmaus-koeln.de\/channel\/info\">Emmaus K\u00f6ln<\/a>  wrote the following  <a href=\"https:\/\/emmaus-koeln.de\/display\/c6fc0985-499b-4f3b-b235-354c51fadfba\">post <\/a><span class=\"autotime\" title=\"2006-10-15T02:00:00+02:00\">Sun, 15 Oct 2006 02:00:00 +0200<\/span><\/span><\/div><div id=\"reshared-content-1473510089\" class=\"reshared-content\"><strong>Praktikum bei emmaus (Mona S.)<\/strong><br \/>Als ich am 07.05.06 -eine Woche sp\u00e4ter als geplant- auf das Wohnhaus von emmaus zusteuerte war ich ganz sch\u00f6n aufgeregt, wie ich wohl f\u00fcr die n\u00e4chsten 3 Monate wohnen w\u00fcrde und vor allem mit wem. Nat\u00fcrlich war die Angst, von den Bewohnern abgelehnt zu werden allgegenw\u00e4rtig, denn ich w\u00fcrde ja als eine Fremde einfach mal so in ihr Leben reinplatzen. Umso freudiger \u00fcberrascht war ich, als mich jeder, aber wirklich jeder der Bewohner -dem ich begegnete- herzlich begr\u00fc\u00dfte. Ich f\u00fchlte mich sofort willkommen und war wirklich \u00fcberrascht, dass einem hier das erste Mal ohne die typische Distanz begegnet wurde und ich mich nicht als Fremde f\u00fchlte, sondern voller Vorfreude an die Arbeit gehen konnte. Das Motto &quot;Wir sind eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft und offen f\u00fcr jeden Menschen, ungeachtet seiner Nationalit\u00e4t, Vergangenheit, sowie religi\u00f6sem oder politischem Bekenntnis&quot; wird also nicht nur so dahin gesagt, sondern auch wirklich umgesetzt.<br \/><br \/>Die ARBEIT in der Gemeinschaft ist auch recht breit gef\u00e4chert. Man kann B\u00fccher, Kleidung, Hausrat sortieren und verkaufen, M\u00f6bel abholen, verkaufen und liefern. Au\u00dferdem gibt es jeden Morgen eine Kochmannschaft, die f\u00fcr die ganze Gemeinschaft ein leckeres Mahl zum Mittag vorbereitet und auch jene, die nachmittags im Wohnhaus bleiben um z. B. Mittwochs die Suppe f\u00fcr die Obdachlosen zu kochen und ansonsten zu sp\u00fclen und das Haus zu putzen.<br \/><br \/>Ich hatte w\u00e4hrend des Praktikums auch die M\u00f6glichkeit, die verschiedenen Bereiche abzuklappern, blieb dann nach einiger Zeit aber im Kleiderbereich h\u00e4ngen. War ich aber auch selber Schuld, da ich eine Zeit lang Gefallen daran fand. So musste ich tagein, tagaus Kleidung sortieren, falten, aufh\u00e4ngen, verkaufen\u2026 Dies war dann auch ein Zeitpunkt, an dem die Arbeit f\u00fcr mich etwas zu einseitig wurde. Denn wenn man immer wieder den Arbeitsbereich wechselt, dann wird einem nie langweilig, da man immer wieder dankbar f\u00fcr die andere Arbeit ist. Blo\u00df wenn man einmal in einem Bereich drin steckt, dann kann man leider nicht mehr so einfach springen wie vorher.<br \/><br \/>Was mir sehr gut gefallen hat, war, dass ich Dokumente vom Deutschen ins Englische bzw. Spanische \u00fcbersetzen durfte. Leider war dies eine Arbeit, die nicht oft verlangt wurde, da der Bedarf einfach nicht sehr hoch war.<br \/><br \/>Aber nat\u00fcrlich geh\u00f6rte zu dem Praktikum nicht nur das Arbeiten, sondern vor allem auch das LEBEN in der Gemeinschaft. <br \/>Um die Gemeinschaft zu f\u00f6rdern und eine Vereinzelung zu verhindern, finden jeden Tag gemeinsame Mahlzeiten statt. Es fr\u00fchst\u00fcckt zwar jeder f\u00fcr sich alleine, aber Mittag- und Abendessen werden regelm\u00e4\u00dfig miteinander eingenommen. Au\u00dferdem sitzen oft abends noch die Leute zusammen vor dem Haus oder im Raucherzimmer und quatschen ein wenig.<br \/><br \/>Ich nahm auch an den w\u00f6chentlichen Gemeinschaftsbesprechungen teil, in denen sowohl Probleme untereinander, als auch bei der Arbeit, sowie pers\u00f6nliche Probleme besprochen wurden und den Bewohnern dadurch Hilfe gew\u00e4hrleistet wurde.<br \/><br \/>Nat\u00fcrlich fanden auch 4-6Augen Gespr\u00e4che statt und ich denke gerade die sind auch sehr wichtig f\u00fcr die Gemeinschaftsmitglieder, da dadurch die Privatsph\u00e4re des Einzelnen gesichert wird.<br \/>Was etwas unverst\u00e4ndlich f\u00fcr mich blieb war, dass die Bewohner gewisse Probleme selber ansprechen mussten, auch wenn einige Zeit lang schon deutlich zu sehen war, dass etwas nicht stimmt.<br \/><br \/>Einige Male kamen abends Leute zu Besuch, die von Hilfsprojekten auf der ganzen Welt erz\u00e4hlten. Ich speziell habe zum einen einen Vortrag \u00fcber die Arbeit von Jesu Dos geh\u00f6rt, ein Inder, der in seinem Heimatland sowohl den Dalits (Selbstbezeichnung der als &quot;Unber\u00fchrbare&quot; aus dem indischen Kastensystem ausgeschlossenen Menschen), als auch Opfern des Tsunamis hilft, sich eine Existenz aufzubauen, indem er ihnen einen Mikrokredit u. a. in Form von Vieh und Land verschafft.<br \/><br \/>Zum anderen h\u00f6rte ich den Vortrag eines Deutschen, der f\u00fcr den Verein &quot;Kinderland Brasilien e.V.&quot; in Rio de Janeiro t\u00e4tig ist. Seine Aufgabe ist es, den Stra\u00dfenkindern zu helfen. Er betreut u. a. Projekte, in denen die Kinder lernen sich aus verschiedenen Materialien Musikinstrumente zu bauen. Besonders beeindruckend fand ich seine Beschreibung der generellen Lebenssituation der Menschen speziell in Rio de Janeiro, die sich als unglaublich schwierig darstellt.<br \/><br \/>Wie hei\u00dft das Motto von emmaus doch so sch\u00f6n? Gemeinsam Arbeiten, Leben, Helfen\u2026<br \/><br \/>So geh\u00f6rte nat\u00fcrlich auch der Bereich &quot;HELFEN&quot; zu einem Teil meines Praktikums. <br \/>Dies bedeutete f\u00fcr mich, dass ich einige Male mit zum Appellhofplatz gefahren bin, wo einige Mitglieder der emmaus--gemeinschaft jeden Mittwochabend Suppe, sowie Kaffee und Tee an Hilfsbed\u00fcrftige ausschenken. Auch das war eine sehr wichtige Erfahrung f\u00fcr mich. Dort sah man so viele verschiedene Arten von Menschen. Nat\u00fcrlich waren auch dort welche bei, die etwas grummelig waren oder auch streits\u00fcchtig. Aber viele von ihnen waren auch sehr freundlich und dankbar f\u00fcr unsere kleine Hilfe. So habe ich mich einerseits immer gefreut dorthin zu fahren, andererseits f\u00fcrchtete ich mich aber auch teilweise davor dorthin zu fahren. Denn vielen Menschen sah man in irgendeiner Weise ihr Leid an, bzw. sie erz\u00e4hlten einem davon und in diesen Situationen muss man einfach lernen, den Abstand zu wahren und trotzdem nat\u00fcrlich mitf\u00fchlend reagieren.<br \/><br \/>Sehr bewundert habe ich immer Schwester Alexa, die als Seelsorgerin immer vor Ort ist und sich um das seelische Wohl k\u00fcmmert. <br \/>Genauso klasse ist die Arbeit von Silvia - einer Frau, die auch bei emmaus- regelm\u00e4\u00dfig ehrenamtlich hilft. Sie kommt jeden Mittwoch mit einem Wagen voll gesammelter Kleidung und Schlafs\u00e4cken, die sie dann an die Obdachlosen verteilt.<br \/><br \/>Ein anderer Teil der Hilfe stellen die regelm\u00e4\u00dfigen Hilfstransporte dar, bei denen ich aber nicht mitgewirkt habe. Alle paar Monate werden Container u. a. nach Rum\u00e4nien, Polen\u2026 geschickt, in denen vor allem Kleiderballen und Hausrat enthalten sind.<br \/><br \/>So positiv mein Empfang verlaufen war, so negativ verliefen dann leider auch die letzen Wochen meines Praktikums, das ich deswegen dann auch verk\u00fcrzte. Ich hatte mir einfach eine ung\u00fcnstige Zeit f\u00fcr das Praktikum ausgesucht, denn in den besagten letzen Wochen waren Pascale und Willi im Urlaub und ich war Zeitweise ziemlich \u00fcberfordert mit der Gemeinschaft, da es zu einigen Konflikten zwischen den Bewohnern kam, bei denen ich dann teilweise Kummerkasten und Streitschlichter gespielt habe bzw. selber mit drinhing. <br \/>Sonst hatte ich in Pascale und Willi regelm\u00e4\u00dfig einen Ansprechpartner, um meine Sorgen loszuwerden, was die Arbeit bzw. das Leben in der Gemeinschaft betrafen und das fehlte mir in dieser Zeit sehr.<br \/><br \/>So gab es am Ende die Menschen, mit denen ich sehr gut zurecht kam und gerne mal ein Schw\u00e4tzchen hielt, Leute die mich als &quot;Stressfaktor positiv&quot; oder als &quot;sunshine of the community&quot; betitelten, aber auch die, die sich durch meine Anwesenheit eher gest\u00f6rt f\u00fchlten.<br \/><br \/>Es war eine riesige Erfahrung f\u00fcr mich, f\u00fcr einige Zeit in der emmaus-Gemeinschaft zu leben und mit den Menschen zu arbeiten. Erst dann wird einem bewusst, wie anstrengend die Arbeit ist, die die Leute jeden Tag verrichten - und das sind nicht alles so junge H\u00fcpfer wie ich, sondern es gibt auch ein paar richtige &quot;Altert\u00fcmchen&quot;, die trotzdem noch ihren Anteil leisten, damit der Laden l\u00e4uft.<br \/><br \/>Ich denke, dass mich die Zeit bei emmaus auch ein wenig ver\u00e4ndert hat. Man lernt, sich eine harte Schale anzulegen &amp; man sieht die Welt nicht mehr durch eine rosarote Brille, sondern es wird einem bewusst, wie schwer es die Menschen \u00fcberall auf der Welt haben.<br \/><br \/>Man lernt viele Schicksale kennen und muss \u00fcben, die n\u00f6tige Distanz zu den Menschen zu wahren und trotzdem noch mitf\u00fchlend zu sein. Genau das ist mir leider einige Male nicht gelungen. Aber Praktika sind ja schlie\u00dflich daf\u00fcr da, dass man lernt wie man sich zu verhalten hat.<\/div><\/div><br \/><\/div>","width":640,"height":426}